Trading JuliAugust 2020 Die News aus Wirtschaft & Geldpolitik

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Rückblick: Trading News vom 14. bis 28. September 2020

Die Bundestagswahl ist entschieden: Obwohl auch die Union deutlich weniger Stimmen bekam als vor vier Jahren wird Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben. Da sich die SPD nach ihrem historisch schlechten Abschneiden dazu entschieden hat, in die Opposition zu gehen, ist nur eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen realistisch. Doch die Koalitionsverhandlungen könnten sich als schwierig gestalten, da bei vielen Fragen die Positionen der beteiligten Parteien weit auseinander liegen. Das Abschneiden der AfD, die mit rund 13 Prozent drittstärkste Kraft wurde, hat viele Menschen schockiert. Erstmals seit Jahrzehnten zog damit wieder eine rechtspopulistische Partei in den deutschen Bundestag ein. Dies könnte die politische Landschaft in Deutschland deutlich verändern.

WIRTSCHAFT

Deutsche Industrie von AfD-Ergebnis schockiert

Vertreter der deutschen Industrie zeigten sich geschockt über das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl. Volkswagen-Chef Matthias Müller schloss negative Folgen für die deutsche Wirtschaft nicht aus. Seiner Ansicht nach seien Egoismus und Protektionismus der falsche Weg in einer globalisierten Wirtschaft. Auch BDI-Präsident Dieter Kempf will einen Schaden durch die AfD vom Wirtschaftsstandort Deutschland abwenden. Für ihn ist der Rückzug ins Nationale keine Alternative. Zudem forderte Kempf von der neuen Regierung mehr Investitionen und eine stärkere Förderung von Digitalisierung.

Automobilindustrie in Deutschland immer wichtiger

In den Jahren 2005 bis 2020 stieg der Anteil der deutschen Automobilindustrie an der Wertschöpfung von 3,4 auf 4,5 Prozent. Dies teilte das Statistische Bundesamt anlässlich der IAA mit. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes konnte die Automobilindustrie sogar von 15 auf 19,6 Prozent wachsen. Die Bruttowertschöpfung bestimmt den geschaffenen Mehrwert im Produktionsprozess. 2020 lag dieser Wert bei 124 Milliarden Euro, der von rund 870.000 Mitarbeitern erreicht wurde. Im internationalen Vergleich wird deutlich, dass der Anteil der Automobilindustrie an der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe deutlich höher liegt, als in anderen europäischen Ländern. Auch die Arbeitsproduktivität steigerte sich im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 4,6 Prozent pro Jahr.

Maschinenbauer auch 2020 erfolgreich

Die deutsche Wirtschaft wird wohl auch im kommenden Jahr von der erfolgreichen Maschinenbaubranche angekurbelt. Im kommenden Jahr soll die Produktion um drei Prozent gesteigert werden. Nach Ansicht von Ralph Wiechers, dem Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) wird die Branche im kommenden Jahr weiter expandieren. Zudem soll das Auslandsgeschäft weiter stark bleiben. Die Branche konnte zuletzt einen Umsatz von 220 Milliarden Euro erzielen. In diesem Jahr sind die Kapazitäten so stark ausgelastet wie seit neun Jahren nicht mehr. Zum Teil gibt es bereits Engpässe bei Maschinen und Anlagen. Auch das US-Geschäft zieht an, obwohl die deutschen Maschinenbauer durch Donald Trump und seine Politik verunsichert sind.

Besucher-Rekord in Großbritannien

Das schwache Pfund lockte im Juli viele Besucher nach Großbritannien. Insgesamt kamen 4,02 Millionen ausländische Besucher ins Land. Damit wurde erstmals in einem Monat die Marke von vier Millionen übertroffen. Dies geht aus Zahlen des Statistikamtes ONS hervor. Aufgrund der Pfund-Schwäche wird Urlaub in Großbritannien für Ausländer deutlich günstiger. Die Briten müssen bei einer Reise ins Ausland jedoch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die logische Konsequenz war, dass nur 6,94 Millionen Briten im Juli ins Ausland reisten – zwei Prozent weniger als im Juli des vergangenen Jahres.

Touristen-Rekord in Portugal

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Die Tourismus-Branche in Portugal wird wohl ein weiteres Rekordjahr feiern können. Das portugiesische Statistikamt konnte im Juli über sieben Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste verzeichnen. Seit Jahresbeginn nahm der Gesamtumsatz der Branche um 17 Prozent zu und liegt nun bei 1,8 Milliarden Euro. Der besonders für den Tourismus besonders wichtige Monat August ist hier noch nicht eingerechnet. Das Land kann in diesem Jahr wohl wieder wie bereits 2020 die Marke von zehn Millionen Gästen knacken. Im durch die Schuldenkrise schwer getroffenen Land macht der Tourismus einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren aus.

Zentrale Finanzmarktaufsicht in der EU

Die EU-Kommission plant die Zentralisierung der Finanzaufsicht in der EU. Wie Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis sagte, sollen alle nationalen Behörden die gleichen Ziele verfolgen. Die Kosten für die Aufsicht durch die Europäische Finanzmarktaufsicht ESMA und andere Behörden sollen nach dem Willen der Kommission die Banken tragen. Bisherige Versuche, die Finanzaufsicht in der EU zu zentralisieren, scheiterten am Widerstand Großbritanniens. Der Brexit könnte damit eine Gelegenheit für einen neuen Vorstoß sein.

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Wirtschaft bei Abspaltung Kataloniens stark getroffenen

Derzeit sorgt ein für den 1. Oktober geplantes Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens in Spanien für große Unruhe. Die Regierung in Madrid versucht mit allen Mitteln, das Referendum zu verhindern. Nach Ansicht der spanischen Regierung würde eine Abspaltung der besonders wirtschaftsstarken Region drastische Folgen haben. Die Wirtschaft in Katalonien könnte um 25 bis 30 Prozent einbrechen und die Arbeitslosigkeit könnte sich verdoppeln. Bislang rechnen die Finanzmärkte jedoch nicht mit einer Unabhängigkeit Kataloniens.

Konjunktur im Sommer etwas schwächer

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft ging im Sommer etwas zurück. Wie die Bundesbank bekannt gab, sei das Sommerquartal etwas verhaltener gewesen. Dennoch ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiterhin gut. Die Industrie freut sich über eine gute Auftragslage. Zudem wird derzeit viel gebaut und auch die Stimmung bei den Verbrauchern sei gut. Die deutsche Wirtschaft führt damit ihren Expansionskurs fort.

Unternehmen fordern Übergangslösung bei Brexit

Mehr als 1.000 britische Unternehmen fordern in einem vom Industrieverband CBI initiierten offenen Brief eine Brexit-Übergangslösung. Innerhalb von drei Jahren sollte man eine Reglung finden, die Arbeitsplätze in Großbritannien und in der EU schützt. Die Unternehmen sehen Arbeitsplätze und Wachstum auf beiden Seiten bedroht, solange es keine klaren Regelungen bezüglich der zukünftigen Beziehungen gebe.

Der britische Außenminister Boris Johnson sorgte unterdessen mit einem Artikel im „Daily Telegraph“ für Wirbel. Darin legte es seine Vision zur Zukunft Großbritanniens nach dem Brexit dar. Unter anderem sagte er wie bereits während der Kampagne vor dem Referendum im Juli 2020, dass die Briten nach einem Austritt aus der EU beinahe 400 Millionen Euro pro Woche sparen würden. Zudem ist er der Ansicht, dass sein Land für den Zugang zum EU-Binnenmarkt nicht zahlen müsse.

Frankreich will Defizitgrenze einhalten

In diesem Jahr könnte die französische Regierung zum ersten Mal seit zehn Jahren die EU-Defizitgrenze einhalten. Derzeit rechnet Finanzminister Bruno Le Maire mit einer Neuverschuldung in Höhe von 2,9 Prozent des BIP. Damit liegt der Wert erstmals seit Jahren wieder unter der Drei-Prozent-Grenze. Auch für das kommende Jahr sieht die Prognose derzeit gut aus. Im kommenden Jahr könnte man zudem Einsparungen bei Staatsausgaben in Höhe von 16 Milliarden Euro erzielen. Aufgrund der guten Konjunktur rechnet das Finanzministerium mit höheren Steuereinnahmen. Zudem geht man in Frankreich von einem höheren Wirtschaftswachstum aus.

Spanien mit niedrigerer Neuverschuldung

Auch in Spanien nähert man sich wieder der Drei-Prozent-Grenze. Im kommenden Jahr könnte man die Neuverschuldung auf 3,1 Prozent drücken. Spanien ist derzeit eines der am schnellen wachsenden Länder der Eurozone. Daher erwartet auch die spanische Regierung hohe Steuereinnahmen. Die mögliche Unabhängigkeit Kataloniens ist jedoch als Risikofaktor für den Aufschwung zu sehen. Bislang wirkt sich die Situation jedoch nicht auf die spanische Wirtschaft aus.

Italien rechnet mit besserem Wirtschaftswachstum

Die Regierung in Rom hat ihre Wirtschaftsprognose angehoben. Für das laufende Jahr rechne man nun mit einem Wachtum des BIP in Höhe von 1,5 Prozent. Bislang wurde nur 1,1 Prozent erwaret. Und auch für die kommenden Jahre rechnet man mit Wirtschaftswachstum. Im kommendne Jahr stehen in Italien Parlamentswahlen an. Vor der Wahl will die Regierung weniger stark sparen als bislang verspreochen. Damit könnte sich im kommenden Jahr das Haushaltsdefizit auf 1,6 Prozent belaufen und damit 0,4 Prozent höher als vorgesehen. In diesem Fall könnte sich der Druck der EU-Kommission jedoch weiter erhöhen.

Fed will Geldflut eindämmen

Die Fed will ihre mit Wertpapierkäufen auf 4,5 Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz verringern und dämmt damit als erste große Notenbank ihre durch die Finanzkrise hervorgerufene Geldflut ein. Auch eine weitere Zinsanhebung ist weiterhin für dieses Jahr geplant. Bei ihrer September-Sitzung beließ die Fed den Schlüsselsatz jedoch zunächst bei einem bis 1,25 Prozent. Die Voraussetzungen für eine weitere Straffung der Geldpolitik sind jedoch gut. Die Wirtschaft wächst so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr. Allerdings liegt die Inflation noch immer unter der angestrebten Zwei-Prozent-Marke, auch wenn aufgrund höherer Benzinkosten im August die Preise um 1,9 Prozent stiegen. Dieses Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat könnte eine Zinsanhebung wahrscheinlicher machen. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember bei 72 Prozent. Die Aussicht auf höhere Zinsen ließ auch den Dollar steigen.

Geplante Steuerreform in den USA

Nachdem die Pläne zur schnellen Abschaffung von Obamacare wohl endgültig gescheitert sind, will US-Präsident Donald Trump nun seine bereits im Wahlkampf angekündigte Steuerreform auf den Weg bringen. Er plane historische Steuerkürzungen, die vor allem der Mittelschicht zugutekommen sollen. Bei der Einkommenssteuer soll der Spitzensteuersatz auf 35 Prozent gesenkt werden. Zudem will er die Unternehmenssteuer von 35 auf 20 Prozent senken. Wie die Finanzierung seiner Steuerpläne aussehen soll, ließ Trump bislang weitestgehend offen. Zudem muss der Kongress der Steuerreform zustimmen.

Weniger Baubeginne in den USA

Erneut sank die Zahl der Baubeginne in den USA. Nachdem bereits im Juli ein Rückgang verzeichnet wurde, sank die Zahl der Baubeginne im August erneut um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Gründe hierfür liegen in höheren Kosten für Baumaterial, weniger verfügbarem Bauland und Fachkräftemangel in der Branche. Die Zahl der neu erteilten Baugenehmigungen nahmen jedoch zu und liegen nun auf dem höchsten Wert seit Januar. Auch für September wird mit weniger Baubeginnen gerechnet. Hier spielen auch die Hurrikane Harvey und Irma eine Rolle, die große Teile von Texas und Florida verwüsteten.

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GELD- UND WÄHRUNGSPOLITIK

Zinsen in England weiter auf Rekordtief

Die Bank of England behält den Referenzzinssatz weiter bei 0,25 Prozent. Bei der Abstimmung stimmten zwei Mitglieder gegen diese Entscheidung. Auch das Vermögenswerte-Kaufprogramm der BoE bleibt unverändert. Erneut forderten Michael Saunders und Ian McCafferty eine Erhöhung des Zinssatzes. Beim Vermögenswerte-Kaufprogramm fiel die Entscheidung jedoch einstimmig. Wen sich die Wirtschaft weiter so entwickelt, wie im August prognostiziert, werden zukünftige Zinserhöhungen in kürzeren Abständen erfolgen als bislang erwartet. Möglicherweise könnte eine geringfügige geldpolitische Straffung notwendig sein, um die Inflation nachhaltig einzudämmen. Weiterhin sieht die BoE große Risiken in Zusammenhang mit dem EU-Austritt des Landes, eine Zinsanhebung scheint dennoch möglich. Auch das überraschende Umsatzplus von einem Prozent im Einzelhandel könnte ein Argument für eine Zinserhöhung sein.

EZB kommt Inflationsziel näher

Die Verbraucherpreise zogen im August leicht an. Die Teuerungsrate stieg von 1,3 Prozent im Juli auf 1,5 Prozent. Der Grund für den Anstieg lag in einer Preissteigerung für Energie, die sich um vier Prozent verteuerte. Derzeit prüft die EZB ihr Anleihen-Kaufprogramm, mit dem die Zentralbank für einen stärkeren Preisauftrieb sorgen möchte. Derzeit gehen Experten davon aus, dass die Notenbank im Oktober ein Absenken der monatlichen Käufe ab Anfang 2020 beschließen wird. Zudem könnten weitere geldpolitische Instrumente genutzt werden. So schlägt der estnische Notenbankchef Hansson vor, den Zinsausblick der EZB präziser zu fassen. Die EZB sollte ihren Fokus nicht mehr so stark auf die Wertpapierkäufe legen. Wie es mit der Geldpolitik weitergeht, wird die EZB wohl am Jahresende entscheiden.

Neuer Geldmarkt-Referenzsatz bis 2020

Nach dem Skandal um Zinsmanipulationen und einem gescheiterten Reformversuch in der Finanzbranche will die EZB bis 2020 einen eigenen Geldmarkt-Referenzsatz auflegen. Dieser solle andere Richtwerte ergänzen und auf den von Banken gemeldeten Transaktionen in Euro basieren. Das Projekt ist derzeit unter dem Fachbegriff “Unsecured Overnight Interest Rate” bekannt. Im kommenden Jahre soll es weitere Einzelheiten geben. Zudem sollen die Banken ihrerseits Feedback zum Projekt geben.

Alternative zum Libor in der Schweiz

In der Schweiz arbeitet die Notenbank derweil an einer Alternative für den Referenzzinssatz Libor. Eine Arbeitsgruppe wird beim nächsten Treffen der Notenbanker wohl den Saron-Zins (Swiss Average Rate Overnight) als neuen Referenzsatz vorschlagen. Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen Vorschlag. Die Marktteilnehmer entscheiden selbst, welchen Referenzzinssatz sie nutzen möchten. Der Saron ist noch recht jung und bezieht sich auf besicherte Kredite mit Laufzeiten von einer Nacht bis zu zwölf Monaten. Die Umstellung ist notwendig, da die britische Finanzmarktaufsicht dem Libor Ende 2021 aufgrund von Manipulationen endgültig ihre Unterstützung entzieht. Damit wird der Zins an Bedeutung verlieren. Derzeit stellt er laut SNB die Basis für weltweite Verträge mit einem Volumen von 300 Billionen Dollar dar. In der Schweiz sind unter anderem Wohnungs- und Hauskredite sowie Hypotheken mit dem Referenzsatz verbunden.

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Geldpolitik – Der Geldmarkt rechnet wegen Coronavirus 2020 fest mit EZB-Zinssenkung

Investoren am Geldmarkt halten wegen des sich ausbreitenden Coronavirus eine Zinssenkung der EZB in diesem Jahr inzwischen für eine ausgemachte Sache. Wie aus den Kursen am Mittwoch hervorging, rechnen Anleger inzwischen zu 100 Prozent damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis Dezember ihre Strafzinsen für Banken weiter verschärft. Erwartet wird, dass die Währungshüter bis dahin ihren Einlagenzins von derzeit minus 0,5 Prozent auf minus 0,6 Prozent weiter herabsetzt. Ein negativer Satz bedeutet, dass Geschäftsbanken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken.

Am Montag wurde die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt bis Dezember noch mit rund 75 Prozent taxiert. Die Wahrscheinlichkeiten lassen sich aus der Kursentwicklung von Geldmarkt-Futures ablesen. In diesem Fall ist der Kurs des Future auf den Interbanken-Zins Eonia maßgebend, der auf den 10. Dezember datiert ist. Das sind Wetten auf den Stand des Eonia-Zinses zum Tag der EZB-Zinssitzung. Der Zins spiegelt wider, zu welchem Satz sich Banken untereinander über Nacht Geld ausleihen. Aus der Differenz zwischen dem aktuellen Satz und den Futures errechnen Geldmarktexperten Wahrscheinlichkeiten für Zinssschritte der EZB.

Auch die Wetten auf eine Zinssenkung im Juli haben kräftig zugenommen. Inzwischen wird die Wahrscheinlichkeit auf 70 Prozent taxiert, dass die EZB dann ihren Einlagensatz senkt. Am Montag waren es noch 50 Prozent.

Wirtschaft – Aktuelle Nachrichten

Wirtschaft

12.04.2020 13:27 Uhr

Temperatur und Ölpreis drücken Heizkosten

Wer mit Öl heizt, kann für diesen Winter mit niedrigeren Heizkosten rechnen. Milde Temperaturen in den eigentlich kalten Monaten und der Sturz des Ölpreises im ersten Jahresquartal drücken die Rechnung. | mehr

11.04.2020 12:28 Uhr

Wegen Corona in Not

Schuldner lassen ihre Zahlungen stunden

Wer wegen Corona in finanzielle Not geraten ist, kann seit Monatsbeginn seine Kreditrückzahlungen stunden lassen. Nach Angaben der Geldhäuser haben das jetzt schon Tausende Verbraucher genutzt. | mehr

11.04.2020 09:20 Uhr

Gutscheinregelung wegen Corona

Zwangsdarlehen oder Atempause?

Die Gutscheinregelung für Veranstaltungen, die wegen der Corona-Krise ausfallen, sorgt für Diskussionen. Verbraucherschützer kritisieren den Beschluss scharf. Veranstalter begrüßen die kurze „Atempause“. Von Ute Spangenberger. | mehr

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10.04.2020 22:07 Uhr

Google und Apple

Allianz beim Corona-Tracking

Google und Apple wollen bei der Entwicklung von Coronavirus-Apps zusammenarbeiten. So könnten Fälle besser zurückverfolgt werden. Der Schutz der Privatsphäre soll wichtig sein – versichern die Konzerne zumindest. | mehr

10.04.2020 18:30 Uhr

OPEC-Staaten hoffen auf höheren Ölpreis

Das Ölkartell OPEC will den Ölpreis nach einem drastischen Rückgang wieder nach oben treiben. Die größten Förderländer einigten sich auf eine Kürzung der Produktion. Mexiko stimmte der Einigung nachträglich zu. | mehr

US-Geldschwemme beflügelt auch den Dax

Amerikas Notenbank überschüttet nach altbewährtem Muster die Volkswirtschaft in Krisenzeiten mit Liquidität. Die Aussicht auf das süße Geld, dem Schmierstoff jeder Börse, sorgte heute für steigende Kurse. Auch der Dax naschte kräftig aus dem Honigtopf. | mehr

Coronavirus: In der Weltwirtschaft wird der Notfall ausgerufen

In der Wirtschaft sucht man nach der richtigen Behandlung der Infektion durch das Coronavirus. Placebos zu verabreichen ist der falsche Weg.

Mehr als 90.000 Infizierte, mehr als 3000 Tote, 76 betroffene Länder – das Coronavirus zieht seine Spur durch die Welt. Und obwohl sich die Gesundheitsbehörden gegen die Ausbreitung des Virus stemmen, wird nach und nach klar, dass es auch eine tiefe Bremsspur in der Weltwirtschaft hinterlassen wird. Das ruft andere Akteure auf den Plan. Die Weltbank schnürt ein zwölf Mrd. Dollar schweres Hilfspaket für besonders stark betroffene Länder, um sie beim Eindämmen und der Bewältigung der Folgen des Virus zu unterstützen. Und die US-Notenbank schaltet in den Notfallmodus und senkt den Leitzins kräftig.

Da werden Erinnerungen an die große Finanzkrise wach. Ist es schon wieder so weit, dass die Notenbanker ausrücken müssen, um die Welt zu retten? Dass die Federal Reserve die Zinsen senkt, ist sinnvoll. In den USA ist der Aktienmarkt von überragender Bedeutung für das Wohlergehen der Volkswirtschaft. 80 Prozent der Unternehmensfinanzierung laufen über den Kapitalmarkt, Private haben ihre Ersparnisse zu einem großen Teil in Aktien investiert. Niedrige Zinsen tun der Börse gut, das hält Investitionen und den Konsum am Laufen. Nebenbei tut es auch dem Präsidenten gut, der beim Rennen um die Wiederwahl Rückenwind von der Geldpolitik und einer florierenden Wirtschaft gut brauchen kann.

Nun wird gerätselt, ob und wie die EZB der Realwirtschaft zu Hilfe kommen könnte. Sie gerät durch die Aktion der Fed unter Druck, hat aber wesentlich weniger Handlungsspielraum. Die Börsen spielen mit Ausnahme Großbritanniens in Europa für die Unternehmensfinanzierung und für die private Vorsorge der Menschen eine untergeordnete Rolle, niedrigere Zinsen wirken hier nicht so unmittelbar wie in den USA. Was sollte eine Zinssenkung bringen? Weil Europa im Zinszyklus weit hinter den USA herhinkt, dümpeln sie hier an der Nulllinie, für Bankeinlagen bei der EZB sind sie ohnehin negativ. Treibt man den Einlagezinssatz weiter ins Minus, wird es für Banken nur attraktiver, Speicher für Bargeld anzumieten, das kommt billiger. Selbst wenn die EZB wieder mehr Anleihen kauft und Banken Geld zur Vergabe von Krediten freibekommen, werden ihnen ihre Kunden die auch nicht aus der Hand reißen. Es fehlt eben nicht an billigem Geld, es fehlt an der Möglichkeit, es zu investieren. Der wirtschaftliche Abschwung in China zieht andere Weltregionen mit und führt dazu, dass dort Produktionen stillstehen, weil Rohstoffe und Vormaterialien fehlen. Kein Unternehmen wird mit Kredit Kapazitäten ausbauen, wenn schon die bestehenden nicht ausgelastet werden können.

Nicht die EZB, sondern die Regierungen sind jetzt gefordert, Unternehmen und Arbeitnehmer zu unterstützen. Die öffentliche Hand kann Geld bereitstellen, um Kurzarbeit mitzufinanzieren – um so die erzwungenen Stillstände abzufedern und den Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern. Sie kann auch Bürgschaften für Unternehmen übernehmen, um zu verhindern, dass sie unverschuldet in Schieflage geraten und im schlimmsten Fall pleitegehen.

Bei all den Rufen nach finanzieller Hilfe sollte man aber nicht vergessen, dass es sich beim Coronavirus um eine medizinische Krise handelt. Die muss man mit Mitteln des Gesundheitssystems bekämpfen. Behörden leisten den besten Dienst, wenn sie dafür sorgen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet und erkrankte Menschen bestmöglich behandelt werden. Wenn man ein Medikament findet, umso besser. Placebos zu verabreichen bringt nichts, weder den Menschen noch der Wirtschaft.

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